Drivel Absurd: Globalisierung – ein totales Durcheinander?

Sowas passiert, wenn man mich ein paar Abende zu viel alleine zu Hause lässt und nein, für euch muss das alles keinen Sinn ergeben.

Globalisierung – ein totales Durcheinander? Or What is Left for Politics?

Teil 1: Präludium

Globalisierung gilt gemeinhin als Ursprung allen alt- und neu-zeitlichen Übels. Die Konservativen nennen sie als Grund der Verfall der Moral. Zyklische Apokalyptik! What goes around comes around. Der Kreis muss sich schließen, Ende und Anfang muss es geben. Play by the rules of Metaphysik! Man zitiert die Bibel, oder auch mal Kant, ganz intelligente Menschen vielleicht sogar Nietzsche, Spengler oder ToynbeeNOT! Untergangsstimmung ist in diesen Kreisen sowieso schon seit Jahrhunderten ganz en vogue. Wer braucht da denn noch Beweise! Läuft.

Aber keine Sorge, die Linken (bitte wer oder was?!) sind da nicht besser. Auch hier steht der Weltuntergang kurz bevor. Der letzte Akt! Dramatischer als mit einer Finanzkrise, die natürliche alle Kritiker vorhersahen und sie in ihren Punkten nur bestätigt haben, kann das Ende gar nicht eingeläutet werden. “Ich sah es kommen!“, klingt es von den Zinnen der selbst-ernannten Solidariker (Ref: Stoiker) und Gutmenschen!

Die Trompeten posaunen zum Versuch der Rettung – wenn nicht jetzt dann ist alles aus! Wenn nicht heute – dann gibt es kein morgen! Den Schaden der Finanzkrise, der Globalisierung, abzumildern, das Monster zu zähmen – doch wie?

Durch Schulden? Nein, Schulden machen, um den Leuten das Übel zu ersparen, nein, das darf natürlich auch nicht sein! Denkt denn niemand an die Kinder? Und bitte kein Geld drucken. Schreck lass nach, bloß nicht! Da sind sich die deutsche Linke und Rechte, dann ganz nah, ach – eigentlich auch beim deficit spending. Ach, eigentlich ja immer.

Solidarität: ja, aber bitte nicht ernst nehmen! Man muss doch sparen, sparen, sparen! Die Inflation würde es auffressen! (THIS PERHAPS?) Wie jetzt? Geld kann man auch ausgeben? Man müsste konsumieren, ekelhaft, verschwenderisch – UNMORALISCH! Denkt denn niemand an die Kinder? Da gehen dann auch die Menschen ganz schnell auf die Barrikaden in… err… Stuttgart… um… err… gegen einen BAHNHOF ZU DEMONSTRIEREN! EINEN BAHNHOF! POLITISCHER KANN ES JA GAR NICHT WERDEN! Von uns können die Ägypter und Tunesier noch etwas lernen! Man ist sich einig: die Globalisierung soll unten bleiben, err… soll nach unten. Weg. Aus den Augen wäre ein Anfang.

Dass Globalisierung in den wenigsten Fällen als Variable einen Einfluss zu scheinen hat, ist noch bei kaum jemandem angekommen, aber… was sind schon Fakten? Siehe das hier. Man selber sieht und überblickt das alles doch viel besser, sowieso und überhaupt. Und alle dann gemeinsam Hand-in-Hand im Chor: „Ich traue, keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe“ (Nicht von Churchill, genauso wie Keynes nie „When the facts change, I change my mind. What do you do, sir?“ gesagt hat, aber wir nehmen es ja mit der Wahrheit nicht so genau ODER?).

Warum also argumentieren? Jeder Versuch eine Einigung zu erzielen, wird damit ad absurdum geführt. Machen wir doch “Budda bei de Fische!” – es lohnt sich nicht. Die Schönheit liegt ja bekanntlich im eye of the beholder, aber noch mehr – so scheint es – die Wahrheit (die ich übrigens nicht gepachtet habe, sondern teuer erkauft habe).

So schreit es aus den Wohnzimmern: Lug und Trug! Die Experten sind gekauft, die Politiker auch, die Menschen nicht, nein, die Deutschen doch nicht! Wahlgeschenke haben hier nie funktioniert! NIE!!111 Eigentlich können wir ja gleich die Wissenschaft abschaffen. Und dann noch die Politik. Es würde sowieso keiner merken. Aber zurück zur Globalisierung. Nun gut, und zur Politik, may I? How kind of you.

Das mit der Globalisierung scheint griffig, schlüssig. Es ergibt Sinn, alas, es findet sich nichts. Nichts robustes. Nichts Haltbares. Nichts Reproduzierbares. Nichts Eindeutiges. Was tun? Was für eine Frage! Business as usual. Die Banken machen es doch super vor. Was man hasst, bewundert man – ach könnte man doch nur! – ach dürfte man nur! – man würde genauso handeln. Sagt nur keiner, weil man ist ja besser: ohne Versuchung kein Scheitern an den eigenen Ansprüchen. Aber irgendetwas muss doch schuld sein! Der Behemoth von außen, genährt durch den Leviathan, von den Politikern, die ihr Versagen nicht eingestehen dürfen/wollen/können? Fragt sich nur, wer denn Ziz darstellen darf im Kampf der Urmonster. Vielleicht die Banker? Schließlich verrichten sie Gottes Werk auf Erden. Auf zum letzten Gefecht!

Globalisierung ist also grundsätzlich schlecht und Kapitalismus auch. Dabei hat es wirklich keinen Anschein, dass es der Mehrzahl der Menschen unter dem Kapitalismus schlechter gehen würde als ohne – gleiches gilt für die Globalisierung (Ich hätte die beiden Begriffe vorher definieren sollen). Joan Robinson sagte schon, dass: “[…] the misery of being exploited by capitalists is nothing compared to the misery of not being exploited at all.

Dass Deutschland Probleme hat, bestreite ich nicht. Absolut nicht. Aber hallo? Globalisierung? Kapitalismus? Ohne beides gäbe es den Kuchen, um den wir uns streiten, doch gar nicht! Und nein, vergrößerbar wäre er auch nicht! Wie? Null-Wachstum? Ja, klar. Natürlich soll man nicht blind einem System vertrauen, das offensichtlich auch Schwächen hat. Deswegen gibt es ja überhaupt eine Sozialpolitik. Das Raubtier Kapitalismus gegen den Zoowärter Mindestlohn und Grundeinkommen. Das Versagen der Politiker soll durch neue institutionalisierte Beschneidung der Handlungsfreiheit verhindert werden – siehe auch Bundesverfassungsgericht (funktioniert), Zentralbank (naja, naja, aber hey: Inflation kann einem schon verdammt viel Angst machen – eine Hyperinflation würde die Kommunen ziemlich schnell entschulden, wäre das nicht was?).

That means that you are not cool, because you are just a poor person! Stupid poor people! Stupid poor people! I have more money than you! Stupid poor people! Stupid poor people! You can’t even afford food!

Teil 2: Suite

Für eine offenen Handel (=Globalisierung) haben sich seit der Klassik (das sind quasi die Homöopathen der Ökonomie) eigentlich fast alle Schulen ausgesprochen. Seit den späten 70ern hat die Neoklassik (normalerweise Neoliberalismus genannt, da passt sowieso alles rein) aus diversen Gründen (u.a. Mitterands gescheiterter Versuch Anfang der 90er) die Tonlage bestimmt (Reagan, Thatcher, bla bla bla). Heute scheint der Neoliberalismus (eigentl. Stimmt der Term ja nicht) mit gutem Recht auf einem „absteigendem Ast“ zu sein. Dass einige seiner Ideen und Konzepte trotzdem sehr nützlich waren und sind, sollte man aber nicht vergessen. Nun schieben Politiker und Bevölkerung gleichermaßen die Schuld auf diese externen Faktoren, blame shifting: mal die EU, mal die Globalsierung, mal der Kapitalismus – ein Potpourri an Schuldigen! Was aber, wenn die Globalisierung Politiker wieder mit mehr Handlungsmacht ausstattet? Was für Situationen müssten entstehen? Wer wären die Akteure?

Der Reihe nach: Zentral ist hier die Annahme der Neoklassik (=Neoliberalismus, Angebotstheorie, Monetarismus, etc), dass sich der Staat aus der Prozesspolitik herauszuhalten hat und die Globalisierung (=Märkte) gewähren lassen soll. Ein offener Markt führt “zwangsläufig” zu besseren, effizienteren (pareto-optimalen) Ergebnissen. Das stimmt nicht. Die Politik war gezwungen (nicht von den Neoliberalen und war sie überhaupt gezwungen?) aufgrund eines Marktversagens – oder funktioniert er gerade so perfekt? – der Finanzkrise als deficit spender aufzutreten. Ihr wird außerdem ein Versagen bei der Ordnungspolitik(!) vorgeworfen, die der Staat unterlassen hat, weil der Neoliberalismus das verlangt hat. How very absurd. (note to moi: Stimmt das?)

Die zunehmende Verflechtung, Offenheit und Interdependenzen der Staaten auf einer internationalen Ebene hat es der Finanzkrise überhaupt erst erlaubt, so eine Schockwelle auszulösen. Klar, die Schwellenländer haben es anscheinend gut überstanden – auch wenn sie jetzt mit steigenden Inflationsraten zu kämpfen haben – aber trotzdem gab es hauptsächlich einen negativen Einfluss. Die Antwort auf die Krise waren Konjunkturpakete, die sondergleichen suchen. Haben jemals so viele Länder gleichzeitig versucht durch Staatsausgaben die Nachfrage anzukurbeln? My guess would be: never before.

Hypothese 1: Die Theorie der globalisierten offenen Märkte wurde von der Empirie quasi reverse engineered. Die Politik hat wieder mehr Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung und mehr Einfluss, als die Neoklassiker und ihre Apologeten dem Staat eigentlich zugestehen wollen. Dem Staat ist es wieder möglich und erlaubt – ja, er wurde angefleht – aktiv in die Wirtschaftspolitik einzugreifen. Selbst von diesen hier.

Hypothese 2: Durch die Interdependenzen des Marktes sind Länder viel empfindlicher selbst gegenüber regionalen Schocks geworden. Wenn ein Land Probleme hat, zieht es womöglich weitaus weitere Kreise aufgrund der Offenheit der Märkte und der Arbeitsteilung als es früher der Fall war. Kleine Länder sind natürlich besonders stark betroffen, d.h. es findet ein spillover von Krisen statt. (Oder: Die Wucht der Krise verebbt durch die offenen Märkte.)

Hypothese 3: Der offene Markt führt dazu, dass die antizyklische Politiken der Regierungen nicht regional begrenzt bleiben, sondern ebenfalls einem “Spillover”-Effekt unterliegen. Das erhöht die Chance, dass Länder versuchen die Nachfrage zu stimulieren, da eine große Chance besteht, dass andere Länder ebenfalls eine solche Politik verfolgen. Größere Länder werden eher eine solche Politik verfolgen. (note to moi:Gefangenendilemma, Trittbrettfahrerproblem = Hypothese scheint unlogisch zu sein? Gruppengröße? Sozialer Druck auf internationaler Ebene? Was ist bei der Finanzkrise passiert? Andere Krisen?)

Hypothese 4: Globalisierung und EU dienen als scapegoat. Die Regierung kann durch die „Hintertür“ unpopuläre Gesetze einführen.

Handlungshypothese 1: Die Politik wird gebraucht um Krisen im eigenen Land zu bekämpfen; die Schocks auf die Wirtschaft breiten sich viel weiter aus, was dazu führt, dass mehr Regierungen gegen den Schock eingreifen müssten (note to moi: “ideologische” Marktansicht? Parteidifferenzhypothesen? Betroffenheit?).

Handlungshypothese 2: Wie die Firmen sich globalisiert haben, muss sich die Politik weiter “globalisieren”. Gibt es eine Liste, wie viele “internationale Konferenzen” es seit 1950 gab und ob die Anzahl zugenommen hat? Die Dauer? Würde mich mal interessieren. Klar, es gibt andere Möglichkeiten zur Kommunikation, aber auf so einem Niveau ist – denke ich – die face-to-face-Konversation immer noch wichtig.

Mögliche Theorien: (asymmetrisches) Gefangendilemma auf einem hohem institutionellem Niveau? Weitere? Meeehh, dürftig. Blub, blub.

Notes-To-Moi: Wie groß muss die Krise sein? Wie regional darf sie sein? Wie offen sind die Weltmärkte? Oder sind es hauptsächlich die Finanzmärkte?

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