Book Excerpt

Eine angeblich “fruchtlose”, “graue” Theorie ist unerläßlich, um das bunte Bild der Wirklichkeit verstehen zu können. Ohne sie ist es nicht möglich, Ursache und Wirkung in der Mannigfaltigkeit der empirischen Wirtschaft einwandfrei zu erkennen. Theorie ist, wie SCHUMPETER einmal mit Recht feststellte, “eine Denktechnik, die man einüben muß wie eine Sprache, um mitreden zu können”. Manch einem, der glaubt Wirtschaftsprobleme mit dem gesunden Menschenverstande allein meistern zu können, geht es wie MOLIEREs Monsieur Jourdain, der erstaunt war zu hören, daß er sein ganzes Leben lang Prosa gesprochen habe. Die Urteile, die man sich “unbeschwert aller Theorien” bildet, sind in Wirklichkeit selbst theoretische Aussagen. Diese werden gemacht, ohne daß sich der einzelne dessen bewußt ist, auf Grund von Theorien und dazu noch von solchen Theorien, welche die Volkswirtschaftslehre heute längst überwunden hat. Es sind abgelegte Kleider, die die Wissenschaft einmal getragen hat, und die hier fröhliche Urständ feiern. Theorien von gestern sind Laienauffassungen von heute.

Alfred Kruse, Geschichte der volkswirtschaftlichen Theorien (1948), S. 7.

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