OLD DRAFT: In The Long Run Weather Becomes Climate oder so…

 

Der folgende Beitrag ist größtenteils bereits im November 2011 entstanden, wurde bisher aber nie fertig gestellt. Abgesehen davon, dass der Artikel doch relativ viel Arbeit beansprucht hat, ist der Vortrag ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig wissenschaftlicher Konsens einerseits, wie machtlos er aber andererseits ist (dazu demnächst auch mehr!). Dies scheint mir Grund genug ihn leicht verspätet doch noch zu veröffentlichen.

Nachdem ich am Dienstag (20. November 2011) dem Vortrag von Prof. Dr. Lüdecke über “Klimawandel und erneubare Energien” lauschte, musste ich mir in Gesprächen danach einige sympathisierende Kommentare anhören. Das sollte mich nicht überraschen, habe ich doch im Laufe meines Studiums feststellen müssen, dass die meisten Politologen nur über oberflächliches (wissenschaftstheoretisches) Wissen verfügen und nur die wenigsten in der Lage sind, eigene Methodologien auf fachfremde Bereiche zu übertragen. Ich sehe mich deshalb gezwungen, einen Beitrag zu diesem Vortrag zu verfassen.

In seinem Votrag versucht Prof. Lüdecke zu erläutern, warum es keinen anthropogenen Klimawandel gibt bzw. der Einfluss des Menschens zu gering ist, um negative Auswirkungen zu haben. Gleichzeitig will er die fehlende Effizienz der erneubaren Energien, die als Antwort auf den Klimawandel subventioniert werden, offenlegen. Da ich – surprise, surprise – weit davon entfernt bin, ein Experte auf dem Gebiet zu sein, weswegen ich mich bei meinem Kommentar auf punktuelle Kritik beschränken werde. Für eine allgemeine Kritik seines Buches, siehe hier.

Erst einmal ist auch Prof. Lüdecke fachfremd:

Mein Hauptarbeitsgebiet in Industrie und Hochschule blieb die Strömungsberechnung, über die ich zusammen mit Kollegen Prof. Horlacher von der technischen Universität Dresden ein Fachbuch verfasst habe. Klimaspezialist bin ich nicht, auch kein selbsternannter. Meine Kritik ist allgemein begründet und fachlich fundiert, mischt sich aber nicht in fachliche Spezialdetails der Klimaphysik ein. Da Klima ein Teilgebiet der Physik ist, darf zumindest jeder Physiker, aber auch andere Naturwissenschaftler und Ingenieure kritisch mitreden. (*.pdf)

Ohje… dies ist natürlich kein Problem, solange seine Kritik tatsächlich allgemein bzw. fachlich (aber nicht fachliche Spezialdetails, hä?) begründet ist. Dies war mir im Vortrag aber nicht ersichtlich.

In seinem Vortrag sagt Prof. Lüdecke, dass kein Konsens in der Wissenschaft vorhanden ist. OBJECTION! [Anspielung]. Im verlinkten Artikel heißt es dazu: “an extensive dataset of 1,372 climate researchers and their publication and citation data to show that (i) 97-98% of the climate researchers most actively publishing in the field support the tenets of ACC outlined by the Intergovernmental Panel on Climate Change“. Dieser Konsens wurde erst kürzlich wieder bestätigt.

Aber laut Prof. Lüdecke gibt es keinen Konsens!

Als nächstes behauptet er, dass der “Club of Rome” mit seiner Studie, “The Limits to Growth”, falsch lag. Naja, das stimmt. Teilweise. Ein schneller Blick auf Wikipedia offenbart erst einmal anderes Bild. Hier steht u. a. geschrieben, dass “[…] the predictions made in 1972 and found that changes in industrial production, food production and pollution are all in line with the book’s predictions of economic and societal collapse in the 21st century.

Für Prof. Lüdeckes Aussage spricht allerdings die bekannte Wette zwischen Julian Simon und Paul Ehrlich. Aber man darf nicht vergessen: “[…] past performance is no guarantee of future performance. Strong world economic growth – remember it? – helped push commodity prices up over the past decade. Maybe today’s highs are the start of true resource scarcity.” Auch hier gehen die Meinungen aber auseinander. Wenn man sich das Ganze etwas differenzierter anschaut, dann gewinnt Paul Ehrlich die Wette sogar! Man sieht, die Sache ist kompliziert.

ice_ext_nDie Grafik ( habe ich aus diesem Artikel) benutzt Prof. Lüdecke um aufzuzeigen, dass es eben keine Veränderung der arktischen Eisbedeckung gibt – also das genaue Gegenteil! Tatsächlich wirkt dies auch so, vor allem, wenn man weiter weg sitzt. Man kann den doch erheblichen Unterschied zum Durchschnitt aus einer größeren Entfernung nur sehr schwer erkennen. Außerdem zeigt sich, dass es sein könnte, dass 2007 kein statistischer Ausreißer war, sondern eventuell eine neue Normalität. Dies muss man abwarten. Zusätzlich lies er aus, dass: “[d]ie Ergebnisse der letzten IPCC-Modellrechnungen [.] durch die Beobachtungen überholt [werden]. Der tatsächliche Rückgang findet wesentlich schneller statt, als in den Projektionen vorhergesagt wurde.“.

Dass so viele Menschen an den Klimawandel glauben, liegt laut Prof. Lüdecke zum großen Teil an den manipulierenden Medien. NATÜRLICH! Die armen “Klimaskeptiker” haben niemanden der sie unterstützt? Republikaner? Rupert Murdoch? Die Brüder Koch?! Das reicht aber scheinbar nicht immer, um die Ergebnisse entsprechend zu beeinflussen: Koch-Funded Study Finds Recent Warming “On the High End” and Speeding Up, as Curry Frags Muller Herself.

Wie dem auch sei, Beweise für seine These, Inhaltsanalysen oder ähnliches, legt er nicht vor. Mein Eindruck ist zwar auch nicht, dass die Medien gleichviel über Kritik und Unterstützung schreiben, das liegt aber nicht an einer Verschwörung. Auf SPON, aber auch in anderen Medien, wird die “kritische” Seite der Berichterstattung häufig erwähnt. Dafür, dass der Klimawandel nur von sehr wenigen Wissenschaftlern bezweifelt wird, wird eigentlich sehr viel über diese Kritik berichtet.

Weiterhin war es ihm im ersten Teil seiner Präsentation sehr wichtig vor der Panikmache in den Medien zu warnen, nur um im zweiten Teil dann ebenso Panik vor der Energiewende zu machen. Das scheint mir doch inkonsistent. Hier geht vor allem auf die Solaranlagen ein und kritisiert ihre mangelnde Effizienz.

Klar, es ist noch nicht sicher, wie effektiv sie sind/sein werden. Da er aber nicht von Moore’s Law ausgeht, steht seine Analyse auf sehr porösem Boden. Hinweis #1:

“In fact, progress in solar panels has been so dramatic and sustained that, as a blog post at Scientific American put it, ‘there’s now frequent talk of a ‘Moore’s law’ in solar energy,’ with prices adjusted for inflation falling around 7 percent a year.”

Die Hinweise auf ein solches mehren sich: Hinweis #2 und Hinweis #3.

Die Konsequenz daraus muss natürlich nicht Förderung sein: “If we believe Moore’s Law in solar, then the safe bet in terms of behavioural reactions is not to react. Within a decade or two, energy will be socially as cheap as it is privately as cheap now. That means that changing habits for environmental austerity is not the way to go.

Prof. Cowens Einschätzung ist sogar etwas negativer: “Is there any reason, based in industry-wide market prices, to be optimistic about the near-term or even medium-term future of solar power? I don’t see it.” Trotzdem war seine Kritik überzogen und zu negativ bzw. einseitig.

Fazit: Sehr interessanter und rhetorisch cleverer Vortrag, der vor allem dem Untertitel: “eine etwas andere Perspektive” (mit extra Betonung auf EINE) entsprach. Prof. Lüdecke ist ein sympathischer und intelligenter Mensch, der sehr viel Erfahrung mit Vorträgen hat. Mein Kommentar sollte und dafür bin ich fachlich auch nicht geeignet, seine Position nicht grundlegend widerlegen, sondern seine inkonsistente Argumentationsweise aufzeigen und widersprechende Aussagen präsentieren.

Er spricht von “Fakten” und “Konsens”, wenn es um bestimmte Forschungsergebnisse geht – die meisten davon kann ich, u. a. aus Zeitgründen, gar nicht überprüfen – andere hingegen schon und da zeigt sich ein gemischtes Bild. Dies umterminiert seine Glaubwürdigkeit.

Seine verschwörungstheoretischen Andeutungen zum IPCC und den Medien sind ihm dabei keine Hilfe. Ich bin selbst jemand der den Medien gerne und häufig Kompetenz abspricht, dass die “Skeptiker” nicht in den Medien zu Wort kommen würden, halte ich für falsch. Bild, Der Spiegel, Die Zeit, FAZ und natürlich die Welt (die meinen ehemaligen Empirie-Professor in Sachen Klimawandel gerne zu Wort kommen lässt Buahahahaha! Hier ein Replik.) berichten alle von und das in weitaus positiverer Weise als von z.B. Kreationisten. Ich kann hier keine Verschwörung von Wissenschaft, Politik und Medien gegen den Bürger entdecken.

Ergänzende Links:
1) igmchicago.org: IGM Economic Experts Panel
2) marginalrevolution.com: Revisiting Simon-Ehrlich
3) marginalrevolution.com: A note on the Simon-Ehrlich Bet
4) johncarlosbaez.com: Moore’s Law for Solar Power?
5) marginalrevolution.com: What is the future of solar power?
6) digitopoly.org: Moore’s Law in solar energy
7) marginalrevolution.com: Why solar panel prices are falling
8) crookedtimber.com: Reasons to be cheerful, Part 2
9) johnquiggin.com: Reasons to be cheerful, Part 3: Energy efficiency
10) thinkprogress.org: Media Misleads On Flawed Climate Sensitivity Study: Avoiding “Drastic Changes Over Land” Requires Emissions Cuts ASAP
11) worldclimatereport.com: A new, lower estimate of climate sensitivity

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